
Stellen Sie sich vor, nach der Gartenarbeit oder einer Wanderung im Wald, vielleicht sogar nach einer Weile barfuß am Bach, entdecken Sie ein paar Tage danach eine seltsame Rötung. Oder auch keine Rötung, aber ein Ziehen im Knie, eine unerklärliche Erschöpfung und Schlafprobleme. Jetzt wird „Dr.Google“ gefragt was das sein könnte, und auf einmal lesen Sie, dass bei einer Borreliose 'unspezifische Symptome' auftreten können. Unspezifisch bedeutet, alles was sich zeigen oder der Mensch fühlen kann, ist möglich.
Somit könnte jeder Mensch der sich in der Natur aufgehalten hat, auf die Idee kommen, Borreliose-Symptome zu haben. Wenn dann noch zufällig ein positiver Laborbefund dazukommt, beginnt eine Reise, die oft jahrelang dauert, mehrere Antibiotika-Zyklen umfasst und am Ende das Mikrobiom in einem katastrophalen Zustand zurücklässt. Die Symptome aber bleiben, weil sie von Anfang an von etwas anderem kamen.
Die Borreliose ist eine ernsthafte Infektion, das möchte ich ausdrücklich betonen. Einige Menschen erkranken leider an Borrelia burgdorferi oder anderen Spezies, und manche von ihnen bekommen nicht die Behandlung, die sie bräuchten. Aber es ist wichtig, sich eine weitere Personengruppe anzuschauen. Nämlich Menschen, die nicht an Borreliose erkrankt sind und durch eine unzureichend weit gefasste Diagnostik davon überzeugt wurden, dass sie ein Problem mit Borreliose haben. Social Media, Foren und weitere Kanäle tragen ihren Teil zu dieser Wirrnis bei.
Das Problem sitzt in der Laboranalyse
Das zentrale Testantigen im Borrelien-Western Blot heißt p41, auch Flagellin genannt. Es ist das am häufigsten nachgewiesene Antigen in der gesamten Borrelien-Serologie. Gleichzeitig ist es jedoch das am wenigsten spezifische. Flagellin ist ein Strukturprotein, das in Hunderten von Bakterienarten vorkommt. Nicht-pathogene Spirochäten der normalen Mundflora tragen dasselbe Protein. Das bedeutet, ein positiver p41-Befund kann ohne Weiteres aus der eigenen Mund-Mikrobiota stammen, ohne jeden Borrelia-Kontakt.
Hinzu kommen Erreger, die im Borrelien-Western Blot Kreuzreaktionen auslösen und dabei ein klinisches Bild zeigen, das dem der Borreliose täuschend ähnlich sieht. Mycoplasma pneumoniae ist der häufigste davon. Aber auch Epstein-Barr-Virus, Helicobacter pylori, Cytomegalovirus und Parvovirus B19 gehören dazu. In meiner Praxis erlebe ich regelmäßig, dass ein positiver Borrelien-Befund bei genauerem Hinschauen etwas ganz anderes zeigt. Eine Mykoplasmen-Infektion, die nie behandelt wurde, eine EBV-Reaktivierung, ein post-infektiöses Immunphänomen. Das eigentliche Geschehen wird dabei nicht selten jahrelang übersehen.
Was viele nicht wissen: Die hochspezifischen Banden, die eine echte Borreliose-Infektion substanziell stützen würden, fehlen in vielen dieser Befunde vollständig. Was reagiert, ist fast ausschließlich p41. Das ist kein Beweis. Das ist ein Mosaikstein, der ohne klinischen Kontext nichts bedeutet.
Was das für Ihr Tier bedeutet
Das Problem kennt keine Artgrenze. Auch Hunde, Katzen und Pferde werden regelmäßig auf Basis positiver Titer behandelt, obwohl die Forschung eindeutig zeigt, dass über 90 Prozent der infizierten Hunde nie klinisch erkranken. Ein positiver Borrelien-Titer beim putzmunter durch den Garten laufenden Hund ist kein Handlungsauftrag. Er ist ein Hinweis auf Kontakt mit dem Erreger, mehr nicht.
Die Naturheilkunde hat substanzielle Antworten
Für Menschen und Tiere mit gesicherter Borreliose, aber auch für jene mit post-infektiösen Zuständen, chronischer Erschöpfung und immunologischer Dysregulation, bietet die Mykotherapie und gezielte Phytotherapie Werkzeuge, die systemisch ansetzen und das innere Ökosystem nicht beschädigen. Heilpilze wie Chaga, Reishi, Hericium und Coriolus adressieren chronische Entzündung, Neuroinflammation und mitochondriale Erschöpfung.
Pflanzen wie Polygonum cuspidatum, Cistus incanus und Artemisia annua zeigen in Studien nachweisliche anti-borreliale Aktivität.
Wir haben also belegbare, systemisch wirksame Optionen zur Hand — für Zustände, bei denen die Antibiose allein nie ausreichen wird.
Was Sie tun können
Hinterfragen Sie jeden positiven Borrelienbefund. Die Fragen sollten sein, welche Banden reaktiv waren. Fragen Sie, ob mindestens Mykoplasmen, EBV und CMV ausgeschlossen wurden und ob ein klinisches Bild vorhanden ist, das zur Diagnose passt.
Die Zecke ist kein Dracula im Miniaturformat. Sie hat ihre Aufgaben in der Natur, auch wenn wir es kaum glauben mögen.
Möchten Sie tiefer in das Thema einsteigen? In meinem E-Book 'Borreliose positiv, die Zecke ist schuld … oder doch nicht?' gehe ich ausführlich auf Diagnostik, Überdiagnose, Kreuzreaktionen, den Veterinärbereich und den naturheilkundlichen Weg ein.
Schöne Sommertage mit viel Lebensfreude wünsche ich von Herzen,
Doris Richtsteig
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