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Chaga


Chaga, Birkenpilz, Inonotus obliquus, Schiefer Schillerporling, Clinker Polypore, Cinder Conk, Kabanoanatake

Chaga wächst am stärksten dort, wo der Winter lang und bitterkalt ist, in Sibirien, im russischen und skandinavischen Norden, im Baltikum und in Kanada. Er braucht die Kälte. Als Eiskönig ist er ein Kind des kalten Nordens und auf dieses Klima angewiesen, um zu wachsen.

Für uns ist er interessant, weil er lebende Birken (Betula) befällt und in ihnen eine Weißfäule des Kernholzes auslöst. Sein Verbreitungsgebiet ist die boreale und kühle gemäßigte Zone der Nordhalbkugel; in den Gebirgen Mittel- und Osteuropas findet man ihn auch auf Buche (Fagus), in warmen Tieflagen dagegen selten. Ein befallener Baum lebt oft noch viele Jahre weiter, ohne äußerlich sichtlich zu kränkeln.


Interessant ist hier, dass die sichtbare schwarze, verkohlt wirkende Masse am Stamm nicht der Fruchtkörper des Pilzes ist, sondern tatsächlich der Pilz, das Myzel, selbst. Der sporenbildende Fruchtkörper entsteht als flächiger, poriger Belag unter der Rinde und praktisch nur am absterbenden oder toten Baum. Er ist sehr kurzlebig und wird darum selten gefunden, selbst wenn man gezielt danach sucht. Inonotus obliquus zeigt sich uns also wirklich klar als „Pilzwesen" und verbirgt sein reproduktives Wesen im Verborgenen.


Der Name „Chaga" führt weit in den Nordosten, über das Russische aus dem Komi, der Sprache eines finno-ugrischen Volkes westlich des Ural, wo er ganz einfach „Pilz" bedeutet.

Chaga

Inhaltsstoffe und Wirksubstanzen im Chaga


Wie alle Vitalpilze trägt der Chaga eine geniale Mischungan Wirkstoffen in sich. In einer einzigen HPLC-ToF-MS-Analyse wurden über hundert phenolische und über hundert terpenoide Verbindungen erfasst. Konkret 111 phenolische und 108 terpenoideKonstituenten, ein großer Teil davon erstmals beschrieben.


Die vier tragenden Substanzklassen

Vier Klassen tragen seine Wirkung. Die Polysaccharide und ß-Glucane, allen voran das 1,3-/1,6-ß-D-Glucan; die lanostanartigen Triterpene;

die Polyphenole; und das wasserlösliche Melanin.


Die entscheidenden Triterpene

Unter den Triterpenen sind Inotodiol, Trametenolsäure und Lanosterol sehr wichtig, doch die imposantesten sind Betulin und Betulinsäure.

Sie sind es, die dem Chaga sein charakteristisches Profil und einen guten Teil seiner überlieferten Kraft geben.

Die Rolle der Birke

Die Birke ist der klassische Wirtsbaum, und ihre Rinde ist außergewöhnlich betulinreich. Bis zu rund ein Fünftel des äußeren Bastes ist Betulin. Traditionell gilt der Birken-Chaga deshalb als der wertvollste. Und eines stimmt messbar: Wirtsbaum und Herkunft prägen das Wirkstoffprofil, das Alter des Konks, das Klima, der Baum, auf dem er wuchs, all das schlägt sich in den Werten nieder. Doch diese Prägung verläuft nicht so geradlinig, wie es die alte Birken-Regel nahelegt. Denn der betulinreiche Bast der Birke bedeutet nicht automatisch den betulinreichsten Pilz.


Der Chaga der Grau-Erle

Eine Wahrheit gerät ins Wanken! Echter Chaga wächst auf der Birke, alles andere ist zweite Wahl, hieß es über Jahrzehnte. Eine estnische
Vergleichsanalyse hat erstmals die Konks von Grau-Erle (Alnus incana) und Birke (Betula pendula) Stoff für Stoff nebeneinandergelegt und die Erle hält nicht nur mit, sie zieht in einem entscheidenden Punkt vorbei. Betulin lag bei beiden auf gleichem Niveau (111–159 µg/g). Bei der Betulinsäure aber, dem Triterpen mit der stärksten antitumoralen Kraft, war die Erle bis zu rund 30-fach reicher(474–635 gegenüber 20–132 µg/g). Inotodiol und Lanosterol waren praktisch ebenbürtig. Die Birke behält ihren Vorsprung bei Polyphenolen und Glucanen. Aber als Betulinsäure-Quelle ist die Grau-Erle dem Chaga plötzlich ein ernster Konkurrent geworden.

Quelle: https://www.mdpi.com/2218-273X/12/9/1178


Der Vorsprung von Chaga im antioxidativen Profil: Melanin, Polyphenole, SOD

Drei Wirkprinzipien greifen hier ineinander. Die Polyphenole, allen voran Kaffeesäure und Vanillinsäure, fangen freie Radikale direkt ab. Das schwarze, wasserlösliche Melanin tut dasselbe und bindet obendrein Schwermetalle; es ist einer der potentesten Radikalfänger, die der Pilz überhaupt zu bieten hat. Und auf körpereigener Ebene setzt das Anti-Aging-Enzym SOD (Superoxiddismutase) an: Es entschärft die aggressivsten Sauerstoffradikale, die Superoxide, direkt an ihrer Quelle. Zusammen ergibt das eine der stärksten antioxidativen Signaturen im ganzen Pilzreich.


Quellen und Literatur:

Studien: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38116085/

Literatur:

Medicinal Mushrooms, Martin Powell

Moderne Mykotherapie, Prof. Dr. med. Ivo Bianchi